Warum mir Twitter in der letzten Zeit auf den Keks geht

Ja, gestern hab Ich beschlossen Twitter ab nun mal für eine Zeitlang links liegen zu lassen.

Wie kam es?

Ich hatte einen Follower, der meinen Account anscheinend “auf Push hatte”, denn oftmals hatte Ich meinen Tweet kaum abgesendet, war schon ein reply da.

Eben diese Person retweetete einen Tweet einer anderen Person mit folgendem Inhalt:

“Das schöne als Veganer ist, dass man Narrenfreiheit hat. Sobald man über Tierleid und Veganismus spricht, wird man automatisch angefeindet. Scheint ein Naturgesetz zu sein.”

Ich habe daraufhin geantwortet: 

“Das hat nichts mit Veganismus oder Vegetarismus zu tun, du könntest dieses Thema gegen jegliches anderes Thema austauschen das dein gegenüber nicht interessiert. Es ist egal ob du ihn damit zutextest wie sehr Tiere in Schlachthöfen gequält werden oder ob du ihn damit zu textest Wie viel PS die neue Mercedes E Klasse hat oder wie man ein Billy Regal von IKEA aufbaut. Das Problem ist: dass man den anderen mit Sachen belästigt die ihn nicht interessieren.”

Daraufhin kam ein etwas “unflätiger” Kommentar von der Person die mir folgte, Ich würde irgendwas verdrängen und was für ein empathieloses was auch immer oder so ähnlich Ich sei (der Tweet wurde dann gelöscht, daher kann Ich es nur aus dem Gedächtnis zitieren) und kurz darauf wurde Ich von Ihr geblockt. 

Die Person die den ursprünglich retweeteten Tweet getwittert hatte, zitierte dann einen meiner Antwort-Tweets mit den Worten: “Das ganze Problem an der Massentierhaltung und des Tierkonsums in wenigen Worten. Selbige fehlen mir bei einem solch widerwärtigen Beitrag.”

Ja, das war dann einer von mehreren Punkten warum Ich dann gestern beschlossen habe Twitter mal eine Zeitlang zu ignorieren – es ging mir nämlich so langsam auf den Keks.

Nur deswegen?

Nun, das ganze geht mir schon länger so, genauer gesagt seit die Corona Pandemie in eine “gefühlte endemische Phase eintritt”. Gefühlt deswegen, weil Ich andauernd immer noch lese dass schon wieder so und so viele Leute mit Corona ins Krankenhaus gekommen sind, so und so viele Leute an Corona gestorben sind, die Menschen im Volk aber gefühlt auch so langsam die Schnauze voll haben von dem Thema. Damit meine Ich eindeutig nicht diese ganzen Verschwörungsheinis, sondern ganz normale Leute, die die Existenz und die Gefährlichkeit des Virus nicht leugnen oder abstreiten aber die vielleicht so wie Ich dreimal geimpft sind und so langsam einfach mal wieder Ihr Leben zurück haben wollen (oder es gefühlt schon haben, weil sie als geimpfte Person mehr oder weniger alles machen dürfen).

Es mag ja sein, dass immer noch so viele Leute mit Corona auf der Intensiv liegen, weil… keine Ahnung warum. Vielleicht weil sie nicht geimpft sind oder was weiss Ich. Wen interessieren die denn aber noch? Das sind für mich mittlerweile einfach Patienten zweiter Klasse (zumindest die die sich hätten impfen lassen könne, Ich habe im erweiterten Bekanntenkreis auch jemandem dem ausdrücklich vom Arzt von der Impfung abgeraten wurde aufgrund eines Dutzends Vorerkrankungen).

Warum soll man auf solche Querdullis Rücksicht nehmen, wenn Sie stark erkranken, obwohl Sie sich hätten impfen lassen können?

Das alles geht mir in den letzten Monaten immer mehr auf den Sack. Die einzigste “Einschränkung” die es in meinem Alltag noch gibt, ist dass Ich beim Einkaufen eine Maske trage (obwohl man das ja glaube Ich mittlerweile gar nicht mehr muss, oder?). Meine Güte, wie schlimm! Aber ansonsten? Ich dürfte ins Kino, Ich darf essen gehen, Ich dürfte ins Schwimmbad, Ich darf shoppen gehen, Ich darf in den Urlaub fahren…

Für mich ist die Pandemie, zumindest gefühlt, zu Ende. 

Vor ein paar Wochen nun schliesslich kam ein weiteres “Nervthema” hinzu: Die Ukraine.

Nervthema deswegen, weil es in Ansätzen mit Corona vergleichbar ist. Es bestimmt die Nachrichten als Topthema, aber Ich persönlich kann nichts daran ändern und es hat auch keine Auswirkungen auf meinen Alltag.

Zuerst einmal: Das ist alles sehr, sehr schlimm, was da gerade in der Ukraine und in Russland passiert und selbst Ich Pazifist würde mir wünschen dass jemand den Herrn Putin mal “zu einer Cabrio-Fahrt durch Dallas, … äh… Moskau” einlädt, aber Ich persönlich kann nur hier sitzen und zusehen. Ich kann absolut nichts tun, damit der Wirrkopf im Kreml aufhört mit diesem Krieg.

Der Dritte Punkt tangiert die oben angesprochen Tweets. Menschen, die wie Ich eine eher linke Position zu bestimmten politischen Themen haben (Flüchtlinge, Klima, Umweltschutz, Sozialstaat, etc.) haben gefühlt oft auch ein, nennen wir es mal Faible, für den Tierschutz. Irgendwie passt das ja auch alles so zusammen: Öko, Klima, Naturschutz, Tierschutz, grüner Strom, usw.

Ich habe bei der letzten Bundestagswahl ja auch die Grünen gewählt und Ich finde sie machen Ihren Job bisher sehr gut. Vor allem Herr Habeck und Frau Baerbock. Dennoch gehe Ich nicht mit allen Ansichten dieser Partei dakor. 

Wo wir uns da unterscheiden ist das Thema Tierschutz. Davon halte Ich persönlich nämlich gar nichts. Tierschutz ist für mich etwas, das nur dazu da ist mir mein Schnitzel zu verteuern. Was Ich einsehe ist dass wir nicht weiterhin solche Massen an Tieren essen können, weil das dem Klima schadet: Stichwort Regenwald abholzen für den Sojaanbau, Kuh-Fürze (Methan) usw. Was Ich aber nicht einsehe ist dass Nutztiere so etwas wie Rechte haben. 

In einem weiteren Tweet zu der Diskussion oben schrieb Ich (mir wurde in einem mittlerweile gelöschten Tweet vorgeworfen Ich würde da irgendwas verdrängen): “Ich weiß nicht bei mir ist es keine Verdrängung. Für mich ist ein Schwein oder eine Kuh eine Sache wie ein Auto oder ein Schrank. Etwas das ich kaufen kann um ein Bedürfnis zu befriedigen entweder mein Bedürfnis nach Schnitzel zu essen oder mein Bedürfnis nach Bücher reinstellen.”

Auch wenn Ich diese Meinung schon in meinem Familienumfeld oder Bekanntenkreis geäußert habe, hab Ich dafür schon Kopfschütteln geerntet. Aber, was soll Ich machen: Das ist eben meine Überzeugung. Ich kann für so eine Kuh oder so ein Schwein einfach keine Empathie empfinden. Und ehrlich gesagt wundert es mich dass Ich da so alleine damit stehe. Ich vermute hier eher dass viele vielleicht nicht ganz so radikal denken wie Ich, es Ihnen aber auch egal ist, sie das aber wegen der angeblich vorherrschenden “Mainstream-Meinung” nicht zugeben wollen.

Warum muss man als Mensch immer einen Unterschied machen zwischen gewissen Tieren? Wenn jemand einer Ratte mit einer Falle den Kopf abschlägt ist das in Ordnung, wenn jemand eine Kuh schlachtet um sie zu essen ist das grenzwertig, wenn jemand einen Nerz tötet um Ihn anzuziehen gehört er auf den Scheiterhaufen. Ich verstehe das nicht. 

Wo Ich noch mitgehe, ist dass man solche niedlichen, Ich nenne Sie “Ei dei dei-Tiere” (Hunde, Katzen, Pandas, usw.) irgendwie nicht gerade schlachten und essen will, OK, das ist kulturell bedingt. Oder wenn es um den Artenschutz geht (Elefanten, Nashörner, usw.) Aber sonst? 

Das sind die drei Dinge, Corona, Ukraine, Veganismus, die mir an Twitter im Moment ziemlich auf den Keks gehen. Sicher, das liegt zum Teil auch an mir, weil Ich eben kein “typischer Linker” oder kein “typischer Öko” bin – Ich habe bei manchen Themen auch eher konservative Ansichten. 

Das Problem an Twitter ist, dass dort zu viele Menschen sind, die zu progressiv anderen Ihre Meinung mitteilen wollen. Twitter ist eben ein Medium der Zuspitzungen. Das fängt bei “guck mal mein vegetarisches Mittagessen” an, geht über “guck mal meine 520 PS Superkarre”, geht weiter mit “guck mal meine Schwurbel-Demo” oder “guck mal mein 1000 g Rindersteak”. 

Da bekriegen sich militante Veganer mit militanten Fleischfressern, da bekriegen sich “Putinversteher” mit Menschen die Solidarität mit der Ukraine bekunden, usw. 

Und gerade wenn man sich wie Ich, nicht eindeutig einem Lager zuordnen will hat man es da oft schwer. Die Sozialen Medien, hier Twitter, begünstigen eben den sogenannten “Bubble-Effekt”: Jeder umgibt sich nur noch mit den Personen die der gleichen Meinung sind wie man selbst und wenn da mal jemand ausbricht ist er gleich der geistige Brandstifter. Anscheinend gibt es Menschen die denken man kann nur für Flüchtlinge sein wenn man Biofleisch isst oder man kann nur für die Bekämpfung des Klimawandels sein wenn man für gleiches Adoptionsrecht bei homosexuellen Paaren wie bei heterosexuellen Paaren ist (was Ich bin, das war nur ein Beispiel).

Es kommt mir so vor, als ob von den vielen Leuten die auf Twitter so großmäulig Toleranz fordern, das nur für Ihre eigenen Werte und Vorstellungen gilt. Toleranz für LGBTQI+ Rechte aber nicht für Fleischesser, Toleranz für Autofahrer aber nicht für Radfahrer. Und so weiter.

Einer meiner Lieblingssprüche hat Volker Pispers (dessen Kabarettprogramm wir heute dringender denn je bräuchten!) einmal gesagt. Er sagte in etwa: Toleranz hat nichts mit toll finden zu tun, es kommt von lateinisch tolerare, was so viel bedeutet wie “ertragen”. 

Oder um den guten alten Voltaire zu zitieren: “Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, daß Sie sie äußern dürfen.”.

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