Aussenseiter

Ja, gerade musste Ich an meine Schulzeit denken.

So einiges geht mir in den letzten Wochen im Kopf herum das mich manchmal kaum abschalten lässt. Nun sitze Ich hier und ziehe mit Scooter, BSB, Jamiroquai, Oasis, Culture Beat, Venga Boys und den ganzen alten 90 Scheiss rein um mich wieder in meine 90er-heile-happy-super-Welt wegzubeamen.

Heute Mittag haben meine Tante, Ich und Mama meinen Cousin in Klingenmünster besucht. Duerch einen total komischen Zufall habe Ich etwas über das Schicksal eines ehemaligen Klassenkameraden erfahren.

Meine Tante besucht meinen Cousin ja auch wenn Ich oder Mama keine Zeit oder Lust haben. So hat sie dort jemanden kennengelernt dessen Enkel ebenfalls dort ist. Sie hat mir immer wieder von Ihm erzählt und auch die Namen des Jungen und seines Opas genannt, Ich hatte mir da aber nie etwas dabei gedacht. Heute haben Mama, Ich und meine Tante den Mann nun einmal angetroffen und Ich stellte sehr zu meiner Verwunderung fest dass es eben jener Opa ist der meinen Klassenkameraden seinerzeit grossgezogen hat. Ich muss gestehen, mir bubberte der Herz ein wenig.

Ich gab brav die Hand bekam aber sonst kein Wort heraus.

Ich kann mich noch an den Jungen erinnern. Er wohnte ein paar Orte weiter, dennoch verbrachten wir einige Zeit zusammen, waren manchmal wie man hier so schön sagt „Ein Kopf und ein Arsch“, untertrennlich zeitweise.

Klar haben wir auch viel Scheiss gemacht, gerade in der Schule und auch oft zusammen.

Als Ich dass die 7. Klasse „freiwillig“ wiederholte weil man es mir von mehreren Seiten aus nahe gelegt hatte (an meiner Schule konnte man nicht sitzenbleiben), geriet mein bisheriges Leben total aus dem Fugen.

Heute bezeichne Ich das als den grössten Fehler meines Lebens von dem ich mich bis heute nicht mehr erholt habe.

Ja, eben jener Freund von dem Ich nun nach, ja, Ich glaube es sind 13 Jahre, erstmals wieder etwas gehört habe, soll einem anderen Menschen das Leben genommen haben. Einem Polizisten. Ich weiss nicht was an der Sache dran ist, meine Tante weiss da anscheinend ein wenig mehr, da sie mit dem Opa des Jungen mehr Kontakt hatte, da er Sie wie gesagt öfters man im Auto zu den Besuchen mitgenommen hatte wenn sich die Termine gerade deckten.

Ich muss sagen das hat einmal mehr ein kleines Stück aus meiner heilen Welt herausgerissen. Ich habe wieder einmal erkannt, andere Menschen haben auch Probleme. Nicht nur wir, nicht nur Ich.

Irgendwie geht mir das so nahe im Moment dass Ich weinen muss. Verdammt…..

Die letzten Tage, ja Woche seit Dresden waren sowieso eine Nagelprobe für mich.

Gerade heute habe Ich viel über die letzten 10, 15 Jahre nachgedacht. Meine Güte was da alles passiert und schief gelaufen ist. Ich hatte nach dem Klassenwechsel keinen Anschluss mehr gefunden, die neuen Kameraden waren Scheisse. Erst in der 10, als ein erneuter Klassenwechsel wegen der verringerung von 4 auf 3 Klassen eintrat besserte es sich ein wenig. Ich war von der 2.-7. Klasse bis zur 9. der fucking-Aussenseiter. Der der immer in der Ecke des Schulhofs neben der Mülltonne stand oder sich in der Ecke verkroch, damit einem die Anderen nicht sehen. Mein Klassenzusammenhalt war weg. Ich war auf einemal das Opfer.

Ich fügte mich in meine Rolle, tat was man von mir verlangte. Schwieg und wehrte mich nicht.

Warum habe Ich das getan? Die Noten wirden in der 2.-7. Klasse nicht besser. Scheisse. Da begannen Probleme die Ich bis heute nicht bewältigt habe.

Und nun das. Ich musste erfahren dass Anderen sowas pasiert ist.

Mann waren die ersten 3 Jahre auf der neuen Schule Geil. Ich hatte Freunde in der Klasse, fast 90 %, viele Mädels um mich, war beliebt usw. Und dann das.

Ich wurde zu einem scheuen, unsicheren, kleinen Aussenseiter der sich alles gefallen liess.

Ich kann mich an Szenen erinner in dnen Ich mit „Freunden“ auf dem Schulhof zusammenstand und man mich gar nicht beachtete, oder meine Gesprächseinwürfe ignorierte. Oder wir spielten Karten zusammen, Magic, ein Spiel das Ich nie recht verstand und man hatte mich einfach „vergessen“ obwohl Ich direkt daneben stand.

Was kam: Ich machte den Klassenclown um Aufmerksamkeit zu bekommen. Das funktionierte, Anfangs, ging aber auch ganz schnell ziemlich nach hinten los.

Ja, und nun? Ich schaue auf verpfuschte 10 Jahre Leben zurück in der eine Pleite die nächste jagte. Nie konnte Ich wo richtig fuss fassen.

Andere Klassenkameraden aus alten Zeiten sieht man mal hier mal da.   Die eine verhaeitratet, geschieden, Kinder, tot, ausgewandert, usw, usw.

Das kann ganz schön an einem nagen. Vorallem an so einer ein weing unterentwickelten Sozialpersönlichkeit wie mir. Ach ja, Ich bin schon ein bedauernswertes Wesen. Warum bemitleidet mich keiner?

Manchmal sitze Ich hier und male mir aus was alles ein könnte wäre mein Leben ein wenig runder verlaufen.

Job, Frau, Kinder, Haus, Auto, Urlaub auf Malle…… Ach Ja.

Scheisse, das macht mich schon wieder traurig.

Ich bin 26 Jahre alt und habe NICHTS erreicht in meinem Leben. Die berufliche Karriere 10 Jahre lang zum Teufel geschickt, keine Zukunftsperspektive, keine Freundin, kein Auto…… Kein Sex.

Manchmal da könnte man einfach nur noch aus dem Fenster springen.

Doch, irgendwie fühle Ich mich in diesen Tiefpunkten mittlerweile irgendwie heimelig. Ich hab mich so darin eingerichtet dass sie mir so vertraut vorkommen.

Wie wenn Ich in meinem Doppelbett liege und auf der Einen Seite einen Berg aus Müll, Papierchen, Büchern und anderem Krimskrams auftürme um mich wie ein kleines Kind zu fühlen das in seinem eigenen kleinen reich, in seiner Höhle ist, in Mamas Schoss. Eingemummelt. Abgeschottet vor der bösen Welt. Das kleine Kind das sich sie Decke über den Kopf zieht und vor der bösen Welt davonläuft. Immer und immer wieder.

Auch mein Wohzimmer sieht aus. Auf dem 6-Meter Schreibtisch türmen sich Berge von Papieren, Taschen, Krimskrams, Müll, Schmutzgeschirr, Scheissdreck. Im restlichen Zimmer siehts nicht besser aus. Ein riesen Haufen Schrott liegt seit Monaten mitten im Zimmer den Ich mal in den Keller will. Doch Ich kann nicht. Er ist mir auch irgendwie heimleig geworden. Ich kann nicht mehr ohne Ihn. Er würde wenn er weg wäre ein Stück Leere hinterlassen. Verdammt, das ist doch krank!

Manchmal hasse Ich mich dafür.

Ich komme aus diesem Loch im Moment einfach nicht heraus. Irgendwas hält mich hier fest.

Ich muss hier raus und weg. Raus aus meiner Wohnung, aus meinem Haus, aus dieser Stadt. Alles hinter mir lassen. Mit einer handvoll Sachen einen Neuanfang wagen.

Am Samstag solls vielleicht schon losgehen. Vielleicht. In Dresden ist glaube Ich Striezelmarkt, der Weihnachtsmarkt da. Da wirds schwer werden ein Bett zu bekommen. Das muss Ich morgen angehen.

Ich muss endlich was machen um aus dem Dreck in dem Ich stecke rauszukommen. 10 verschwendete Jahre sind Genug! Oder auch 13, wie mans nimmt.

Verdammt. Je mehr Ich darüber nachdenke desto schlechter wird mir. Vor 13 Jahren hab Ich die Klasse gewechselt. Von da an gings nur noch bergab.

Ich habe immer mehr das Gefühl dass das Jahr 2013 nun meine letzte Chance ist das Ruder um 180 Grad zu drehen. Dresden MUSS klappen!

Das macht mich gerade derart fertig, das könnt Ihr euch nicht vorstellen.

Morgen muss Ich an die Planung gehen. Samstag, das wäre schön. Ab in den Fernbus und in 12 h bin Ich in Dresden.

Diesmal muss Ich aber klotzen, nicht kleckern. Mein Geld geht zuende.

Jetzt brauch Ich die Power!

Dresden klappt. Das weiss Ich! Das muss!

Derweil geh Ich in mein Bett und bemitleide Ich mich noch ein wenig selber, bis Samstag……..

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Filed under Erinnerungen, Gedanken

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