Geld, Schulden und Familie

Ja, das war familientechnisch keine schöne Woche.

Am Mittwoch rief meine Mutter an Ich solle doch bitte mal mit meinem Onkel reden, Ihrem Bruder der bei uns bzw. bei meiner Mutter unten im Hochparterre wohnt. Er ist da glaube ich so 2011 eingezogen, als Ihn mein Opa, also sein Vater bzw. der Vater meiner Mutter aus dem Elternhaus geworfen hatte.

Mein Onkel, der nun Mitte 50 ist,  hatte sich irgendwann Anfang / Mitte der Neunziger von seiner Freundin oder besser gesagt Frau getrennt mit der er zwei Kinder, meinen Cousin und meine Cousine hat, und war wieder zurück ins elterliche Haus gezogen. Dort wohnte er in einem kleinen 5(!) m² Zimmer (ja, wirklich so klein!) ca. 25 Jahre oder länger („Ist nur vorrübergehend!“). Jedenfalls zog er da, nachdem meine Oma, also seine Mutter, verstorben war 2011 aus und da wir unten eine Wohnung im Haus frei hatten zog er da ein. Er hatte sich nach dem Tod meiner Oma mit meinem Opa zerstritten und musste da raus. 

Irgendwie hatte mein Onkel mit seinen Finanzen in seinem Leben nie ein glückliches Händchen. Er hatte gerade in den Neunzigern Jobs die sehr gut bezahlt wurden. Leider bleib da dennoch am Ende des Monats anscheinend nicht viel hängen. Zwei Kinder von denen man getrennt lebt und eine „Ex“ die zwar kein Anrecht auf Alimente hatte weil nicht verheiratet kosten eben wenn man ein „guter Vater“ ist viel Geld. Das Problem ist, dass dadurch meine Cousine auch einen recht schlechten Umgang mit Geld gelernt hat. Da kommen dann so Sachen bei rum wie dass man den Opa anpumpt um das Auto reparieren zu lassen und dann zwei Wochen später in die Schweiz auf Urlaub fliegt, weil ist ja schon bezahlt gewesen, usw. 

Nunja. Als mein Onkel 2011 jedenfalls da einzog übernahm er sozusagen die Wohnung von seiner Tochter, meiner Cousine, die da vorher gewohnt hatte und die mit Ihrem Freund zusammen zog.

Ein paar Monate nach dem Einzug wurde meinem Onkel dann von den Stadtwerken der Strom abgestellt. Seine Tochter hatte Rechnungen und Abschläge nicht bezahlt und er hatte sich auf den Stadtwerken beim Einzug nicht angemeldet, hatte also die ganze Zeit Strom verbraucht ohne zu zahlen. Nicht sehr schlau! Er hatte mich dann angebettelt ob Ich Ihm hier aus der Patsche helfen könne. Das war für mich von Anfang an eine klare Sache, in der Familie hilft man sich wenn es irgendwo klemmt und „Scheissdreck bassiert halt“. Wir fuhren dann zu meiner Bank, Ich hob etwas Geld ab und gingen zu den Stadtwerken. Ich wartete im Auto, er ging hinein zum bezahlen. Als er wieder heraus kam meine er dass das nicht reichen würde. Also ging es erneut zur Bank und noch mal zu den Stadtwerken. Leider reichte auch das nicht und so machen wir das Spiel ein drittes mal. Die Bankberaterin am Schalter, das weiss Ich heute noch genau, fragte mich ob Ich mir denn sicher sei mit dem was Ich da mache. Anscheinend wusste Ich das nicht. Denn allzugrosse Gedanken hatte Ich mir da anscheinend wirklich nicht gemacht. 

Schlussendlich war Ich 3200 € losgeworden! (3200 € Schulden bei den Stadtwerken! Wahnsinn!) Davon fehlt immer noch eine Rückzahlung von 2500 €. Nur ca. 700 € habe Ich in den acht Jahren zurück bekommen. Anfangs war Ich da immer noch hinterher jeden Monat und hab gebeten und gebettelt dass Ich doch bitte endlich mein Geld zurück haben will, irgendwann habe Ich das dann einfach aufgegeben. 

Meine Mutter wusste dass Ich irgendjemand das Geld geliehen hatte aber nicht wem und für was. Ich hatte meinem Onkel versprochen dicht zu halten und wenn ich ein Versprechen gebe dann halte Ich das normalerweise auch. Bis zum letzten Jahr zumindest. Da musste Ich mein Schweigen gegenüber meiner Mutter dann endlich brechen und habe meinen Teil der Karten auf den Tisch gelegt. Als nämlich meine Mutter von Ihm angepumpt wurde um ein paar tausend Euro und auch meine Tante, also die Schwester der beiden die nie viel Geld hatte, ebenfalls um ein paar Tausender erleichtert wurde. Er hat gesagt, er habe auf der Arbeit „in die Kasse gegriffen“ und es stehe eine Prüfung an und er müsse das Geld dringend zurück geben damit er nicht auffliegt. Wie bescheuert man sein muss um auf der Arbeit Geld zu klauen, muss Ich ja wohl nicht sagen!

Als das dann alles im letzten Jahr einen Punkt erreicht hatte an dem Ich einsah dass sich mein Onkel da ziemlich in die Scheisse geritten hatte, hab Ich dann alles offen gelegt. Mama und Tante freuten sich natürlich das zu hören wie man sich denken kann. Nicht. 

Das Problem scheint nun grösser zu sein als wir alle gemeint haben: 20.000 an Schulden soll er haben meinte er nun heute. 

Zwanzigtausend Euro! Das muss man sich mal vorstellen. Man muss dazu sagen: Da ist wohl kein Grosskredit dabei wie für eine Immobilie oder ein neues Auto oder so. Alles kleinere Sachen. Und das reicht immer noch nicht. Er muss auf der Bank schon wieder einen Kredit aufnehmen, was er im Moment aber nicht bewilligt bekommen würde. 

Denn das Problem ist, dass von seinem Konto im Moment jeden Monat 150 € abgehen um den Wasserschaden zu bezahlen den wir da vor ein paar Jahren hatte. Ja, an dem bin Ich auch mitschuld, doch die Hauptschuld trägt da auch mein Onkel. Ich hatte damals im Keller eine Fernsehecke mit Toilette und Waschbecken gebaut, so eine art Hobbykeller. Da habe Ich dann bei einer Wasserinstallation Mist gebaut wodurch mehrere Monate (oder Jahre?) Wasser weggelaufen ist bis sich die schöne Summe von 17.000 € angesammelt hatte. Das Problem: Das muss er mitbekommen haben und hat die Klappe gehalten bzw. er hat das gemacht was er immer macht wenn ein Brief von der Bank oder den Stadtwerken kommt: Aufmachen, „Oh Gott, Oh Gott…“ denken und ganz unten unter den meterhohen von „Erledigt sich von selbst wenn Ich das hier rein packe-„Stapel gelegt. Es kam zum zweiten mal soweit dass der Strom abgestellt wurde. 

Eine Bekannte hatte eine ähnliche Situation: Sie zog in das Haus Ihrer verstorbenen Mutter und verbrauchte wegen Renovierungsarbeiten mehr Wasser als in den Vorjahren, da bekam Sie einen Brief der Stadtwerke, dass ein höherer Verbrauch festgestellt wurde, ob das alles so OK sei. Das bedeutet wohl im Umkehrschluss: Wenn man um 17.000 € mehr an Wasser verbraucht, muss da mehr als ein Brief für den „Erledigt sich von selbst wenn Ich das hier rein packe-„Stapel kommen! Wie blöd kann man sein! Das hätte alles nicht so ausufern müssen. 

OK: Dumm gelaufen, aber nix was man nicht wieder hinbekommen würde. Wir also ab zu den Stadtwerken, eine Ratenzahlung klar gemacht die bis Mitte 2024 läuft, 150 € / Monat. 50 € die Mama, 50 € Ich und 50 € der Onkel.  

Irgendwann im letzten Jahr wurde dann erneut der Strom abgestellt weil er wohl die Raten nicht zahlte. Sein einziger Kommentar, so berichtet meine Mutter, als der Sperrkassierer da gewesen ist war wohl: „Wie soll Ich denn un heute Abend fernsehen ohne Strom!“ WOW! Da fällt dir dann auch nix mehr ein!

Ja, und dann also die Sache dass er sich Geld von Mama und Tante geliehen hatte. 20.000 + meine 3000 + glaube 2000 von Tante + auch so um die 3000 von Mama = ca. 28 – 30.000 €. Wahnsinn!

Mama sagte so schön: Wo ist das denn alles hin? Man sieht davon ja gar nichts!

Er kauft keine teuren Klamotten, hat keine Wertgegenstände rumstehen, keinen Schmuck oder physische Dinge an denen man sehen kann wo das Geld geblieben ist. Geht das alles an seine Kinder oder geht er in den Puff oder spielt er? Wir können es uns nicht erklären!

Vor einem oder zwei Jahren ist Ihm jemand ans Auto gefahren, es gab einen Blechschaden. Die Versicherung des Unfallverursachers erstattete den Schaden in Höhe von sicher auch mehreren Tausend Euros, doch repariert wurde das nie. Wo ist das Geld hin?

Mein Onkel verdient, so habe Ich es zumindest gehört, ca. 1700 – 1800 € Netto! Bei sagen wir einer Miete von 250 €. Bei mir sind es ca. 100 € Benzin im Monat und 50 € Autoversicherung. Mehr wird es bei Ihm auch nicht sein. Das wären das noch ca. 1400 € die zum Leben bleiben. Zum Vergleich: Ich habe, nach nun einigen Lohnerhöhungen, 1450 € netto und zahle 470 € Miete, OK, teils inkl. Wasser & Heizung, aber trotzdem. Auch Ich komme über die Runden, oder besser gesagt Ich MUSS über die Runden kommen mit meinem Geld! 

Ich vermute ja, dass da viel Schulden gemacht wurden als er damals bei uns einzog und die Wohnung eingerichtet hatte: OK, die Küche inkl. Geräte war vom Sperrmüll, aber dennoch. Neue Regale, ein Fernseher, Einrichtung, usw. Dann steckte er über die Jahre einiges in eine Modelleisenbahn. Doch wenn Ich mir das so recht überlege, erklärt das immer noch keine 20.000 €!

Auch Ich würde mir gerne endlich das zweite Zimmer renovieren, neu tapezieren, streichen, Regale reinstellen für mein ganzes Gerümpel, mir ein Sofa und einen fetten Fernseher mit dazugehörigem PC kaufen. 

GEHT ABER NICHT! 

Ich zahle bis kommenden Herbst erst mal den Kredit für meine Autoreparatur ab und dann sehen wir weiter was Ich jeden Monat an Geld beiseite legen kann um mir ein kleines Polster für genau solche Eventualitäten wie ein kaputtes Auto aufzubauen. DANN fange Ich an Geld zu sparen für eine Wohnungseinrichtung. Und wenn das Geld dann da ist gehe Ich in den Laden und kaufe das bar gegen harte Euros und nicht gegen Kredit. 

Vielleicht bin Ich da ein wenig eigen aber Ich würde niemals einen so genannten Verbraucherkredit abschliessen. TV & Sofa auf Pump? Nicht mit mir!

Ich gebe nur Geld aus dass Ich auch habe. OK, das mit der Autoreparatur war was anderes. Das kam aus der Kälte, aber da habe Ich ja keinen Kredit für irgend einen Nonsens bekommen, sondern um meinen fahrbaren Untersatz, der mich täglich von A nach B bringt wieder flott und über den TÜV zu kriegen. Das kann man nicht vergleichen. Ich glaube Ich würde auch wirklich nie einen Kredit für etwas anderes als ein neues Auto, wenn das hier irgend wann mal kaputt gehen sollte, oder eine weitere Reparatur abschliessen. Und wenn, dann wäre es wieder ein gebrauchtes in der „4000-€-Klasse“ und kein x-tausend-€-Auto. 

Sehr viel Geld von meines Onkels Geld muss aber auch an meine Cousine und meinen Cousin gegangen sein. Die sind beide in meinem Alter. Meine Cousine fängt nun mit 31 (!) Jahren noch mal ein Studium in einer anderen Stadt an! Dort hat Sie nun eine Wohnung bekommen die 600 € (!) kostet! Dafür ginge das ganze Bafög drauf (Gabs da keine billigere WG?). Für den Rest gänge sie Kellnern, so mein Onkel. Kann mir doch keiner erzählen dass da nicht jeden Monat was rüber gereicht wird von Ihm! 

Kinder versorgen gut und schön, aber mit Anfang 30 sollte man sein Leben so weit im Griff haben dass man nicht jeden Monat einen Scheck von Papa braucht. Auch meine Cousine konnte wie gesagt nie mit Geld umgehen. Auch so eine Sache ist ja, dass Ihr Auto auf meinen Onkel angemeldet ist, der wohl auch Steuer, Versicherung und leider auch Strafzettel bezahlt die wohl laut Mama sehr regelmässig kommen. Oder eben leider nicht bezahlt bis aus 15 € dann 60 € geworden sind oder ein „gelber Brief“. Oh Mann…..

Wie man sieht, das Haus brennt lichterloh an allen Ecken und Enden und mein Onkel sitzt gemütlich drinnen vorm Fernseher und legt noch einen Scheit Holz in den Kamin. 

Ich hatte am Mittwoch mit meiner Mutter telefoniert. Sie hatte geweint und mich gebeten meinen Onkel anzurufen und Ihn aus der Wohnung zu schmeissen, sie könne das nervlich alles nicht mehr mitmachen. Mit Anfang 60 kann man verstehen dass man irgend wann in seinem Leben auch mal Ruhe haben will. Wenn sich jemand unbedingt in die Scheisse reiten will, OK. Aber was nicht geht ist wenn man andere da mit reinreisst. Mama wollte mit dem Geld das Sie meinem Onkel geliehen hat und mit der Miete die er nicht zahlt das eine oder andere am Haus reparieren und renovieren lassen. Alles Essig nun! Im letzten Jahr ging der Heizkessel kaputt, es musste ein neuer her. Kostet alles Geld! Wenn nun wieder sowas kommt wo man einige grüne Scheine für auf der Bank haben sollte wird es eng. 

250 € Miete sind für diese Wohnung wirklich OK und sehr wenig. Ich denke wenn man die auf dem freien Markt anbieten würde bekäme man bestimmt 100 oder 200 € mehr. Ist zwar nur eine Einraumwohnung mit kleinem Bad und kleiner Küche, trotzdem. 

Ich hab dann gestern mit meinem Onkel telefoniert und versucht Ihm die Situation klar zu machen in der er sich befindet. Entweder er bekommt diesen ganzen Mist bis Ende Januar auf die Reihe oder Mama ist drauf und dran dass sie Ihn vor die Tür setzt. Er hatte bereits einen Termin bei einer Schuldenberatung, aber wir haben leider nicht den Eindruck dass er das alles so ernst nimmt wie er es müsste. Ich habe Ihm nun mit Nachdruck eingeschärft dass er bitte alle Karten auf den Tisch legen soll und für uns transparent darlegen soll wie er gedenkt aus der Situation raus zu kommen und was er bisher schon unternommen hat. Wenn wir hier nun nämlich nicht den Eindruck gewinnen dass es da vorwärts geht und man eine Lösung in Sicht hat, reisst uns irgendwann auch der Geduldsfaden, der bei mit anscheinend eher die Ausmasse eines Stahlseils zu haben scheint. 

Ich bin echt gespannt wie das nun alles weitergeht. Meine Mutter wie gesagt ist total mit den Nerven runter. Ich hasse sowas! Wie kann man sein Leben nur so verbocken!

Jedenfalls tat es gut sich den ganzen Mist mal von der Seele zu schreiben. Ich hoffe dass er das in den Griff kriegt. Wirklich!

20.000 – 30.000 €! Meine Güte…..

3 Comments

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3 Responses to Geld, Schulden und Familie

  1. Unfassbar. Ich verstehe solche Leute auch nicht, kenne sie aber zur genüge: Mein eigener Vater ist genau so drauf. Keiner weiß, wo er sein Geld lässt (gut, er kauft ständig Kinkerlitzchen im Baumarkt, aber wo bleibt der Rest?) und er gehört auch zu der Sorte „Brief vom Amt? ogottogottogott schnell irgendwo hin damit“.

    Schlimm.

    • Ich meine, Ich weiss ja wie das ist. Ich war ja auch mal so. Der Unterschied ist aber: Da war Ich Anfang 20 und nicht Ende 50.

      Auch Ich hatte eine Phase mit so einem „Erledigt sich von selber“ Stapel, doch irgendwann hat es dann da mal klick gemacht und Ich habe das auf die Reihe bekommen.

      Vielleicht habe Ich deswegen so viel Verständnis.

      Doch nützt alles nichts: Er hat nun einen grossen Vertrauensvorschuss bekommen und muss nun liefern…..

  2. Interessantes Phänomen übrigens, gerade bei Männern sehr verbreitet: Viele raffen nicht, dass sie älter und erwachsen geworden sind und damit auch Verantwortung einhergeht. Ich habe in meinem Freundeskreis einen Vietnamveteranen (man kann sich ausrechnen, dass der Mann über 70 ist), der nie begriffen hat, dass er keine 20 mehr ist. Das kann erfrischend sein, manchmal nervt es aber gewaltig.

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