Filmrezension Nr. 14: Der Gott des Gemetzels

Film Kopf Filmklappe

Titel: Der Gott des Gemetzels

Regie: Roman Polanski

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Allgemeines zum Film

Der Gott des Gemetzels (Originaltitel: Carnage, englisch für „Gemetzel“) ist eine Schwarze Komödie von Roman Polański aus dem Jahr 2011. Der Film basiert auf dem preisgekrönten Theaterstück Der Gott des Gemetzels der französischen Dramatikerin Yasmina Reza.

Inhaltsangabe

Der Film folgt in der Art eines Kammerspiels zwei Elternpaaren, den Cowans und den Longstreets, die sich zum Gespräch zusammensetzen, nachdem ihre Kinder in eine Schlägerei verwickelt waren. Die Handlung spielt größtenteils im Wohnzimmer der Longstreets, mit kurzen Ausflügen in Hausflur, Küche und Bad.

Prolog: Die erste Einstellung zeigt eine Gruppe von Kindern im Brooklyn Bridge Park. Es kommt zu einem Streit, bei der sich ein Junge wehrt, indem er ein anderes Kind mit einem Ast schlägt. Die gesamte Szene wird in einer einzigen, statischen Kameraeinstellung und ohne Schnitt gezeigt; die originale Tonspur ist stumm, an ihrer Stelle ist instrumentale Musik von Alexandre Desplat zu hören, deren Intensität sich allmählich steigert.

Schnitt: Penelope Longstreet, die Mutter des Opfers, hält den Vorfall schriftlich am Computer fest. Michael Longstreet, der Vater, und das gegnerische Elternpaar Nancy und Alan Cowan schauen ihr über die Schulter. Man hat sich getroffen, um die Angelegenheit zu bereinigen, doch es beginnt ein Disput um einzelne Worte, über den Tathergang und um die Heftigkeit der Attacke, bei der das Kind der Longstreets verletzt worden ist. Als Geste dafür, dass der Konflikt ihrer Kinder nicht auch das Verhältnis der Eltern prägen soll, bieten die Longstreets den Cowans selbstgebackenes Apfel-Birnen-Cobbler an und bitten sie zu bleiben, um sich kennenzulernen und das Geschehene aufzuarbeiten. In der Folge des Gesprächs kommt es zu immer heftigeren Kontroversen, anschließenden Beschwichtigungen sowie neuerlichen verbalen Ausbrüchen und Unterstellungen.

Allmählich werden die Berufe und auch die Charaktere der vier Personen deutlich: Nancy Cowan ist Anlageberaterin, ihr Mann Alan ist Rechtsanwalt und gerade für einen Pharmakonzern tätig. Penelope Longstreet arbeitet im Buchhandel und ist Koautorin eines Buchs über Afrika, ihr Mann Michael arbeitet als Haushaltswarenhändler. Im Folgenden brechen Konflikte der beiden Ehepaare auf und es werden Abneigungen gegenüber dem jeweils anderen Paar deutlich. Es bilden sich im Laufe des Gesprächs immer wieder wechselnde Allianzen. Die beiden Männer sympathisieren schließlich miteinander, als sie entdecken, dass sie sich beide als Jungen ebenfalls prügelten und Ivanhoe als Vorbild hatten. Immer wieder wird das Gespräch unterbrochen, weil Alan Cowan auf seinem Blackberry geschäftliche Anrufe empfängt und weil Michael Longstreet von seiner Mutter, die sich in einem Krankenhaus befindet, angerufen wird. Michael erfährt dabei, dass sie das Medikament nimmt, von dem Alan gerade versucht, Berichte über dessen gefährliche Nebenwirkungen herunterzuspielen und zu diskreditieren.

Im Laufe der Auseinandersetzungen erfährt der Zuschauer, dass Penelope nach strikten Moralvorstellungen lebt und dies ebenso von anderen verlangt. Ihr Mann Michael scheint zunächst freundlich und um Versöhnung bemüht zu sein, entpuppt sich aber schließlich als nihilistisches Ekel, der den Hamster seiner Tochter aussetzt und dem alles in seinem Leben gleichgültig zu sein scheint. Nancy ist eine Geschäftsfrau, die – anscheinend vom stets telefonierenden Alan alleine gelassen – mühsam versucht, ihren Sohn zu erziehen; Alan wiederum ist ein zynischer Geschäftsmann, der Penelope mit seinen frauenfeindlichen Bemerkungen provoziert. Die Beziehungssituation mit Alan schlägt Nancy derart auf den Magen, dass sie sich im Wohnzimmer erbricht. Dabei werden die auf dem Wohnzimmertisch liegenden seltenen Kunstkataloge von Penelope und die Hose von Alan verunreinigt. Penelope, der die Bücher sehr viel bedeuten, versucht zusammen mit Michael einige Bildbände mit einem Handföhn zu trocknen und gleichzeitig mit einem Parfüm den Geruch des Erbrochenen zu übertünchen.

Nach diesem Vorfall bietet Michael Single-Malt-Whisky an. Befeuert vom Alkohol kommt es zu noch heftigeren Beschuldigungen und Wutausbrüchen, bei denen schließlich Penelope Nancys Handtasche durch das Wohnzimmer wirft, Nancy das Handy ihres Mannes in einer Blumenvase versenkt und später auch die darin befindlichen Tulpen zerstört. Als es schließlich nach den Ausbrüchen zu einem Moment des Schweigens kommt, endet der Film. In der letzten Wohnzimmer-Szene sieht man, wie das Handy von Alan, das schließlich aus der Blumenvase genommen, von Michael mit dem Fön getrocknet und in eine Schale gelegt worden war, aufgrund eines Anrufs vibriert und sich in der Schale bewegt.

Epilog: Auf der Wiese im Brooklyn Bridge Park sieht man den zuvor ausgesetzten Hamster der Longstreets, der offenkundig draußen überlebt hat. Dahinter stehen die beiden Kontrahenten aus der Einstiegszene und spielen miteinander.

Was Ich von dem Film halte

Herrlich!

Hier prallen zwei Welten aufeinander. Zwei Erziehungsvorstellungen, zwei Moralvorstellungen, zwei Weltvorstellungen.

Die Charaktere sind extrem scharf und interessant gezeichnet. Interessant sind auch die permanent wechselnden Bündnisse und Partnerschaften. Binnen Minuten werden Koalitionen geschmiedet und wieder ausseinander gerissen.

Vorallem die Beschränkung der Handlung auf die wenigen Zimmer der Wohnung verstärkt die Enge und die Basis auf der die Protagonisten arbeiten können. Man kann sich nicht aus dem Weg gehen.

Dazu diese Beschränkung die einen vor Lachen am Boden kugeln lässt.

Manches ist derart skuril dass man sich fragt was passiert hier? Und permanent versucht man das Gesicht zu wahren und die Fassade nicht zu bekleckern sondern hintenrum wird gehetzt und hergezogen.

Schliesslich eskaliert das Ganze und die einzelnen Personen zeigen Ihren inneren, wahren Charakter der vollkommen konträr zu dem Bild ist das man die ganze Zeit hat versucht aufzubauen.

Der Alkohol lockert die Zungen und die Stimmung um sie umgehend danach wieder in den Keller zu reißen.

Und zum Schluss kommt es wie es kommen muss und die Eltern haben sich über die Kabbelei Ihrer Kinder zefleischt und bekriegt während die Kleinen sich schon längst wieder vertragen haben und zusammen spielen.

Göttlich!

Ja, auch technisch exzellent umgesetzt und inszeniert. Polanski brilliert!

Fazit

Eine bitterböse schwarze Komödie wie Ich sie selten gesehen habe.

Einmalig!

Wertung

Film Bewertung 9357360-16-mm-film-filmrolle-isolated-on-white-backgroundFilm Bewertung 9357360-16-mm-film-filmrolle-isolated-on-white-backgroundFilm Bewertung 9357360-16-mm-film-filmrolle-isolated-on-white-backgroundFilm Bewertung 9357360-16-mm-film-filmrolle-isolated-on-white-backgroundFilm Bewertung 9357360-16-mm-film-filmrolle-isolated-on-white-background

 

 

 

Cast

Filmdaten
ProduktionslandFrankreich, Deutschland, Polen
Erscheinungsjahr2011
Länge80 Minuten
Stab
RegieRoman Polański
DrehbuchRoman Polański, Yasmina Reza
ProduktionSaïd Ben Saïd,
Oliver Berben,
Martin Moszkowicz
MusikAlexandre Desplat
KameraPaweł Edelman
SchnittHervé de Luze
Besetzung
RolleSchauspieler
Jodie FosterPenelope Longstreet
Kate WinsletNancy Cowan
Christoph WaltzAlan Cowan
John C. ReillyMichael Longstreet

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