Aufbruch, Kapitel 3: Auf Achse

Der schwere Motor wurde mit lautem rasseln aus dem Tiefschlaf erweckt. Es war dieses typische T3 geknatter einer eher schlecht als recht gewarteten Maschine. Ich ließ den Motor laufen und stieg aus. Ich hatte kaum geschlafen diese Nacht. Sicher nicht sehr gut wenn man sich halb tot auf den Bock schwingt um mal eben so 660 km runterzurasseln. Aber was soll man machen. Wenn alles glatt lief und Ich nicht allzu heizen würde käm Ich mit 7 Stunden sicherlich hin. Für die erste Nacht hatte Ich mir Proviant eingepackt. Ich dachte nach der langen Fahrt hat man sicher keine Lust sich noch auf die schnelle ein Hostel oder eine ähnlich billige Absteige zu suchen. Ausserdem muss Ich gestehen dass Ich nach einer Stippvisite in einem dieser Dinger in Hamburg eine Brieftasche ärmer und eine Erfahrung reicher war. Das muss man sich keine zweimal antun.

 

Nachdem Ich meine ganzen Klamotten, alle meine Bücher und DVD´s, meine Papiere und Ordner und den Fernseher sowie Essen und Getränken verladen hatte (Ich wollte auf der ersten Fahrt so viel wie möglich mitnehmen, denn Ich hatte keine Lust zweimal zu fahren) konnte Ich bei einem Schluck Wasser und einem klaren Augenblick noch einmal kurz darüber nachdenken was Ich da eigentlich vorhatte. Ohne Plan im Sack, mit ein paar hundert Euros in der Tasche von jetzt auf gleich alles hinter mir lassen, 650 km weit weg in eine andere Stadt gehen und komplett neu anfangen. Die Zweifel ließen sich immer weniger unterdrücken.

 

Doch alles rätseln hilft nicht, nur aus Erfahrung wird man klug hat einmal ein schlauer Kopf gesagt. Und genau diese wollte Ich nun sammeln gehen.

 

Ich stieg ein und schnallte mich an. Das Fenster einen Spaltbreit geöffnet ging es los.

Zum Glück war der Rest des Schnees weggetaut und die Straßen waren frei. Dieser Januar war genauso mild wie der letzte. Ich hoffte das das so blieb.

 

Langsam aber stetig bewegte Ich mich Richtung Autobahn. Die Straßen waren fast leer an diesem Sonntagmorgen um 6 Uhr. Ich hatte die ganze Autobahn für mich alleine. Ein schönes Gefühl. Trotzdem hatte Ich es nicht eilig. Mit steten 130 auf dem Tempomat bewegte Ich mich Richtung Frankfurt. Man konnte aus der Ferne sehen wie Kaiserslautern langsam erwachte. Ich fuhr über die Lautertalbrücke, vorbei an der Waschmühle immer weiter Richtung Osten. Endlich hatte Ich einmal Zeit abzuschalten und konnte meine Gedanken schweifen lassen. Immer mehr Zweifel erschlichen mich, ob dies auch der richtige Entschluss gewesen ist. Ob nicht alles zu übereilt war. Ob man sich hätte doch noch ein wenig besser vorbereiten sollen. Irgendwie wollte der Kopf nicht abschalten.

Ich ließ mich immer weiter nach Osten treiben, Mainz, Rüsselsheim, Frankfurt…

 

Kurz vor Frankfurt pausierte Ich auf einem Rasthof ging ich austretet. Ich holte mir einen Kaffee und ein belegtes Brötchen auf die Hand. Während ich in meiner rollenden Wohnung saß, beobachtete Ich die zahlreichen LKW wie sie auf dem Parkplatz rasteten und Ihren freien Sonntag hinnahmen. Es war nicht viel los hier, acht Uhr.

Nach einer kurzen Pause ging es weiter. Ich hatte noch gut vier Stunden Fahrt vor mir. Also rein ins Auto und weiter auf die Autobahn.

 

Die nächste Zeit verging ruhig. Bei Rüsselsheim wechselte Ich auf die A 3 und kurze Zeit später bei Neu Isenburg weiter auf die A 5. Immer weiter ließ Ich mich treiben auf einer Welle gemischter Gefühle. Immer wieder musste Ich daran denken was Ich alles zurück lassen würde. Doch nun gab es keine Umkehr mehr, das hatte Ich mir geschworen. Ich konnte mich ja schließlich nicht zum Deppen machen. Die lieben Verwandten, allen voran meine Mutter hatten mir ja hoch und heilig prophezeit dass Ich spätestens in einem halben Jahr mit wehenden Fahnen wieder zurück kommen werde. Das wollte Ich nicht auf mir sitzen lassen. Immer und immer wieder hatte Ich mich gegen diese Art von Sticheleien wehren müssen. Jetzt wollte Ich es allen beweisen. Nie und nimmer würde Ich zurückkommen, eher wollte Ich verrecken…

 

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Filed under Aufbruch, Fortsetzungsgeschichten

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