Hoyerswerda

Lassen Sie uns doch einmal ein Spiel spielen und das geht so: Ich rate was ihr erster Gedanke war als sie die Überschrift zu diesem Beitrag gelesen haben. Mein Tipp war irgendwas mit Nazis. Hab ich recht? Schreiben Sie es mir doch mal in die Kommentare.

Ja, wie komme Ich nun auf Hoyerswerda? Nun: Es liegt nicht all zu weit von Dresden weg (ca. 70 km) und Ich war noch nie da. Also bis auf den Ausflug, den Ich am letzten Freitag dort hin unternommen habe und von dem Ich nun berichten will. 

Die Wikipedia weiss zu Hoyerswerda: Die Siedlung, die 1423 das Stadtrecht erhielt, existierte vermutlich seit dem 12. Jahrhundert. Allerdings blieb Hoyerswerda bis in die 1950er Jahre eine Kleinstadt. Erst mit dem Ausbau der Braunkohleabbau-, -verarbeitungs- und -veredelungsstandorte des „Energiebezirks“ Cottbus nach der Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg erfuhr Hoyerswerda große städtebauliche Erweiterungen. Es entstanden die durch Plattenbauweise geprägten Wohnkomplexe, die Bevölkerung vervielfachte sich von etwa 7000 Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg auf über 70.000. Mit den wirtschaftlichen Veränderungen der deutschen Wiedervereinigung setzte ein starker Bevölkerungsrückgang ein. Im Jahr 1991 lenkten die rassistisch motivierten Ausschreitungen in Hoyerswerda bundesweite und internationale Aufmerksamkeit auf die Stadt. Durch großflächige Eingemeindungen in den 1990er Jahren wurde die Stadtfläche vergrößert, die Einwohnerzahl betrug Ende 2020 rund 31.790 Menschen.

Ja, und genau diese Sachen spiegeln heute das Bild von Hoyerswerda und Umgebung wieder: riesige Tagebauseen, viel Plattenbauten, viel schlechte Straßensubstanz…

…, die sehr oft aus noch aus der von der DDR erhaltenen Betonbauweise besteht. 

Eine dörfliche Bebauung wechselt sich mit Plattenbauten ab, vieles in der Stadt wirkt sehr trostlos. Dennoch scheint man sehen zu können, dass sich die Stadt zumindest mühe zu geben scheint, Dinge zu sanieren wo sie kann. Trotzdem ist das erste Wort, das einem in den Sinn kommt: Trostlos. Für kein Geld der Welt wollte Ich da wohnen. 

Man denkt an den Begriff „Arbeiterschließfach“, der wohl in der DDR für die Platten gebräuchlich gewesen sein soll. Schöne Gefängnisse, in die sich die Menschen freiwillig einschliessen, so kommt einem das vor. 

Wenn man sich so das Stadtbild ansieht, merkt man, wie sehr die anscheinend von der DDR forcierte Trennung von wohnen, arbeiten und Leben diese Stadt so trostlos macht. 

Moderne Stadtentwicklungskonzepte sehen ja vor, dass in einer Stadt ein guter Mix aus wohnen, arbeiten und Freizeitgestaltung auf möglichst dem selben raum stattfindet. Viele Innenstädte und Fussgängerzonen veröden ja deswegen, weil sich die hohen Gewerbemieten kleine Lokale und andere Gastronomiebetriebe nicht leisten können und es dadurch eine Abwärtsspirale gibt: Wo man nur shoppen kann aber keinen Kaffee trinken, da bleiben die Leute weh und weil die Leute weg bleiben gehen die Geschäfte weg. 

Und hier hat man ja nun, da diese riesen Wohnsiedlungen ja nur gebaut wurden um möglichst viele Arbeiter die für die Tagebauen der Lausitz benötigt wurden, und die nun alle stillgelegt sind, unterzubringen. Tagebau weg, Kaufkraft weg, Arbeiter weg. Eine andere Abwärtsspirale. 

Sehr schade. 

Etwas anderes das mir auffiel, sind die schier endlosen Fichten oder Kiefern, sowas in der Art. Das wirkt irgendwie wie eine Mischung aus trostlos und bedrohlich wenn man da durchfährt. Ich wurde mit der Gegend irgendwie nicht warm. Es gab keinen Ort in dieser Natur bei dem Ich gesagt hätte: Schön hier!

Es wirkte irgendwie, ja, wie soll Ich sagen, gekünstelt ist vielleicht das richtige Wort. Man sah der Landschaft irgendwie an, dass sie nicht natürlich entstanden ist. Es war kein, … keine Seele in der Landschaft. Man fragte sich auch: Für wen machen die das? 

Zum Vergleich: 

  • Saarland 2579 km², 982.348 Einwohner, macht 382 Einwohner pro km²
  • Lausitz (mit Teilen in Polen) ca. 13.000 m², ca. 1.300.000 Einwohner, macht ungefähr 100 Einwohner pro km²

Sicher, es gibt da Projekte wie man diese Tagebauseen touristisch nuten will und so weiter, aber das stellte Ich ja schon bei meinen Besuchen am Senftenberger See aber auch, um nicht nur den Osten zu bashen, am Dortmunder Phoenix-See fest: Bei mir will sich da kein Gefühl von Naturverbundenheit einstellen, das wirkt alles irgendwie künstlich ich weiss auch nicht. Das wären jetzt keine Seen, an denen Ich Urlaub machen wollte (selbst wenn man die ganze Landschaft drumherum ausser acht lässt). 

Ich bin echt gespannt, wie sich diese Gegend in den kommenden Jahrzehnten noch verändern wird…

Ach ja, haben Sie mitgezählt? In diesem Beitrag kam das Wort “trostlos” ganze 4 mal vor.

Ach ja: Und es gibt Döner!

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