Wieder in die Provinz ziehen

Ja, so ist wohl nun vor ein paar Tagen oder Wochen meine Entscheidung gefallen, wieder zurück in mein Elternhaus in Kaiserslautern zu ziehen.

Wieder zurück in die Provinz, wieder zurück nach Kaiserslautern, wieder zurück aufs Dorf.

Warum?

Nunja, einerseits ist es das Heimweh. So richtig angekommen, also menschlich, nicht geografisch, bin Ich in Sachsen nie. Ich habe in den letzten paar Wochen ab und an die eine oder andere Tour durch die Pfalz gemacht, bin durch den Pfälzer Wald gefahren, war in der Vorderpfalz usw. Es sind da mehr die Kleinigkeiten: Der Pfälzer Mischwald, der einem vertrauter ist als der sächsische, der für die Hinterpfalz so typische rote Buntsandstein, die pfälzer Architektur auf dem Land, ja, aber auch die Menschen. 

Sachsen hat dafür mehr Weite, mehr Flächen und Ebenen die Ich ganz schön finde und die Ich vermissen werde und über die man wunderbar mit dem Auto über land fahren kann. Die Pfalz ist da wesentlich dichter und enger. 

Andererseits fehlt mir doch auch die Elbe sehr oder ein vergleichbarer grosser Fluss hier in der Nähe. Gerade in der Pandemie und in der Homeofficezeit habe Ich es unglaublich genossen abends nach Feierabend oder am Wochenende direkt irgendwo an der Elbe zu parken, meinen Campingstuhl, Getränke, Fressalien und ein Buch auszupacken und am Ufer den ganzen Abend oder den ganzen Tag zu chillen. Das erzeugt so ein Gefühl von einer Verbundenheit mit der grossen weiten Welt. Wenn Ich in Dresden in die Elbe spucke, fliesst ein klitzekleiner Teil von mir über Hamburg in den Atlantik…

Das fehlt mir hier wirklich echt in den letzten Wochen. Ein Ort, an einem grossen Fliessgewässer, wo man draussen sitzen kann und alleine für sich nachdenken kann. Das werde Ich immens vermissen hier, wahrscheinlich wird das für mich der grösste Verlust von allen sein. 

Ich hab sogar allen Ernstes Musterrechnungen durchgespielt, wie meine Ausgaben denn dann sein werden, wenn meine Mutter unser Elternhaus auf mich überschreibt und ob Ich es mir leisten könnte in einer Stadt wie Berlin z. B. mir eine Ein-Zimmer-Zweitwohnung zu finanzieren, um das beste aus beiden Welten zu haben: Hier in Kaiserslautern die “Homebase” mit einem ganzen Haus das Ich mit Gerümpel vollstellen könnte, was so viel ist dass Ich mir selbst in Hintertupfingen niemals eine Wohnung leisten könnte die gross genug ist um alles unterzubringen und in Berlin eine Winz-Wohnung mit Platz für ein Bett, einen Schreibtisch und eine Kochecke, so dass Ich wochenweise mal hier und mal da wohnen kann. 

Was schön ist, dass Ich nun aus einer Balkon-losen Wohnung in ein Balkon- und Wintergarten-habendes Haus ziehen werde. Der fehlenden Balkon war einer der grossen Minuspunkte an meiner Wohnung (neben dem Schimmel und der Tatsache dass sie im 2. Stock ist). 

Ja, Ich muss zugeben, Ich bin echt schwer am hadern, ob das die Richtige Entscheidung war oder ist. Einerseits ist es schön wieder bei der Familie zu sein, andererseits fehlt mir das metropolartige hier in der Pampa doch schon sehr…

Grosse Pläne hab Ich ja schon. Ich will aus meinem alten Schlafzimmer eine Fernsehzimmer-Homeoffice-Büro-Bibliothek machen, aus meinem alten Wohnzimmer ein Schlafzimmer, irgendwann muss (will) Ich Mamas 80er Jahre Bad mal neu machen, Ich will auf der Terrasse einen WPC-Paneelboden verlegen und mir eine fette Grillecke einrichten, usw. 

Es ist schon schön, wenn man den Platz hat um sich auszutoben. 

Doch wiegt das auf die Dauer das “Metropolgefühl” auf? 

Ich glaube nicht. 

Es ärgert mich jetzt schon immens dass Ich es im September in meinem Urlaub nicht hinbekommen werde eine Woche nach Berlin zu fahren. Ich kann oder besser gesagt will es mir im Moment nicht leisten. 

Stattdessen will Ich nach Dresden fahren und anfangen Kisten zu packen. Ich hab ja so viel Zeugs, das dauert gut und gerne eine Woche oder länger (gerade bei meiner aktuellen Fitness) bis alles verpackt ist. Und dann ist noch nichts an Einbauten und Möbeln abgerissen oder abgebaut! Dafür und für die Renovierung werde Ich sicher auch noch mal zwei Wochen brauchen. Also selbst wenn meine Mutter es bis zu meinem Januar Urlaub hinbekommt eine Wohnung zu finden (woran Ich nicht glaube), so dass Ich in diesem Urlaub umziehen kann, muss Ich mindestens noch die eine Woche Mai Urlaub zum renovieren nehmen. Da müssen in einem Zimmer die beiden Aussenwände vom Styropor befreit werden das Ich da angeklebt habe weil es schimmelte, da muss in dem anderen Zimmer auch an der Aussenwand das Styropor weg, darüber, sowie an den anderen vier Wänden die Holzverkleidung, das wegen den Schimmel mit Silikon an die Wand geklebte und mit Styropor innen abgedichtete Bett muss abgerissen werden, der ganze Schimmel muss überstrichen werden, das Holz und das Styropor muss entsorgt werden (was in Dresden nicht kostenlos geht, das letzte das Ich entsorgen musste hab Ich nachts auf das Grundstück eines Abrisshauses geschmissen), usw. 

Dann muss Mama endlich mal anfangen sich eine Wohnung zu suchen, denn Ich kann mit meinem vielen Zeugs hier nicht einziehen ohne dass Sie ausgezogen ist. Das gäbe sonst Mord und Totschlag. Schon jetzt meckert sie ob der vielen Sachen die Ich aus Opas Haus angeschleppt habe. Dabei ist das gar nicht so viel. Das sind keine 20 Umzugskisten an Sachen (abgesehen von den 30 Kisten Büchern). Wenn Ich dann meine Wohnung in Dresden auflöse, wird das Haus hier erst einmal ein paar Jahre zum real-life-Tetris: Sachen in Räume einlagern, einen anderen Raum leer machen, renovieren, Sachen dorthin verschieben und dann das ganze mit dem nächsten Zimmer von vorne. Sprich: Ein total chaotisch vollgestopftes Haus ist auf Jahre vorprogrammiert. Da würde sich meine Mutter so aufregen dass sie sich selber nach Klingenmünster einweisen müsste. Das geht nicht. 

Daher muss sie erst hier ausziehen. 

Ich komme da im Moment auch nicht recht zur Ruhe. Ich bin permanent geistig in so einer Anspannung ob denn das auch die Richtige Entscheidung sein wird. 

Meine Mutter war ja die Tage eine Woche auf Urlaub bei Ihrer Freundin in Boppard. Ach, was war das schön, mal wieder eine ganze Woche alleine zu sein, keinen anderen Menschen zu sehen und zu hören, kein gekeife und gemeckere uber irgendwelchen Müll oder Wäschekörbe die es nach unten oder nach oben zu tragen gilt, kein gemosere über ein nicht aufgeräumtes Zimmer usw. Herrlich… 

Einerseits machte mir das alleine sein in der Homeofficezeit in Dresden schon ordentlich zu schaffen, andererseits ist das andere Extrem das Ich nun hier habe, wo täglich jemand um mich herum ist, auch nix. Unter der Woche alleine und am Wochenende ein Tag, an dem auch andere Menschen um mich herum sein dürfen, das wäre ideal. 

Es ist noch nicht mal so, dass meine Mutter irgendwas tun müsste, wie z. B. zu meckern dass der Müll nicht runter getragen wird, um mich in Anspannung zu versetzen. Es reicht schon die blosse Tatsache dass Ich nicht alleine bin um mich in Anspannung zu versetzen. Ich mache in letzter Zeit oft den Scherz, dass anderthalb Jahre Homeoffice mich enthumanisiert haben und Ich nun noch ein grösserer Eigenbrötler bin als vorher. Doch so langsam glaube Ich, ist das kein Scherz sondern bitterer Ernst…

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