Beerdigung

Das war gestern eindeutig eine der seltsamsten Beerdigungen an der Ich jemals in meinem Leben teilgenommen habe.

Gegen halb 12 fuhr Ich los, holte meinen Cousin und seine Freundin ab, danach meine Tante. Mein Onkel ging nicht mit. Auch meine Mutter wollte nicht mitgehen.

Zuerst verfuhr Ich mich, da Ich das Navi falsch eingestellt hatte. Ich wollte in den Ruheforst hinter Frankenstein fahren, hatte aber im Navi die Adresse der Ruheforst-Verwaltung in Bad Dürkheim-Hardenburg eingegeben. Das hiess: 10 Kilometer in die falsche Richtung und dann wieder zurück. Nunja, kommt vor. Pünktlich waren wir trotzdem. Was war Ich froh dass meine Mutter nicht dabei war, sie wäre von meiner Tante jetzt schon genervt gewesen weil die gleich anfing rumzujammern “Wir kommen zu spät!”

Am Parkplatz angekommen trafen wir auf die ältere Schwester meines Vaters und deren Mann. Ausserdem war noch die Tochter einer Nachbarin meines Opas dabei, Ihre Mutter konnte ob Ihres hohen Alters von über 90 Jahren und Ihres Gesundheitszustandes leider nicht kommen.

Kurz darauf liefen wir, der Förster mit der Urne voraus, zu dem Baum an dem 2011 bereits meine Oma beerdigt wurde. Unterwegs knickte Ich mit dem rechten Knöchel um, wie es mir in letzter Zeit irgendwie immer öfter passiert und Ich fiel aufs linke Knie. Dieser Zwischenfall war nicht das einzigste was es mir schwer machte den Berg hinauf zu kommen. Ich habe gemerkt wie massiv sich meine, vorher schon nicht gute, Kondition in den letzten 20 Monaten Homeoffice noch mehr verschlechtert hat. 

An der Grabstelle angekommen wusste Ich nicht recht was nun “von mir erwartet wurde”. Der Förster senkte pietätvoll die Urne ab und zog sich dann zurück. Meine Tante hatte ein paar Blütenblätter dabei, Ich streute eine Hand Erde auf die Urne und nach weniger als drei Minuten oder so war alles vorbei. Keiner sagte irgendein Wort. Was hätten wir auch sagen sollen. 

Danach liefen wir zurück zum Parkplatz. 

Wir verabschiedeten uns von Tante und Onkel väterlicherseits, Ich musste auf meinem Handy “My Way” von Frank Sinatra spielen und meine Tante liess drei Heliumballons in den Himmel steigen.

Danach fuhren wir zum McDonalds am Opelkreisel und kauften für 70 € Burger, Pommes & Co., weil, so meine Tante, “De Opa immer gesaat hat: ‘Wie konn mer donn nur so e Ami-Scheissdreck vum Mäc Drallewatsch fresse! Ehr Kulturbanause!’ ”. 

Bei meiner Tante zu Hause wurde dann gemampft bis meine Mutter anrief wo Ich denn bleibe. Wir wollten am Abend noch auf den Friedhof bei uns im Ort, denn mein Vater hatte einen Tag vor Opas Beerdigung Geburtstag.

So fuhr Ich dann meinen Cousin und seine Freundin nach Hause und holte meine Mutter ab. An Papas Grab legten wir eine Handvoll Rosen ab und hielten einen Moment inne…

 

***

 

Ja, was soll Ich nun von dem Tag halten?

Als Aussenstehender liest man das nun vielleicht und denkt sich “Was ist das denn für eine bekloppte Familie! Nicht mal den Opa können sie ordentlich unter die Erde bringen!”.

Ja, vielleicht ist das so. Ich muss auch zugeben dass das ganze für mich eher so den Charakter einer “Pflichtveranstaltung” hatte. Muss man halt machen weil macht man halt so. 

Man mag sich auch ein Urteil darüber bilden dürfen was das nun aussagt dass meine Mutter nicht zur Beerdigung Ihres Vaters kam, das kann Ich niemand absprechen. Ich kann die Gründe verstehen. Sie sind teils so privat, dass Ich sie hier nicht schreiben mag. 

Was sagt das über die Beziehung zu meinem Opa und über unsere Familie aus, dass es mich zum weinen gebracht dass Ich sein Haus bald nie mehr betreten werden kann aber nicht dass er gestorben ist? 

Ich hab die Tage Fotos von jedem Winkel des Hauses gemacht, vom Dachboden bis zum Keller und will vielleicht sogar über 100 € für ein Fotobuch ausgeben um das Haus in Erinnerung zu behalten. 

Aber wie Ich in dem Artikel “Abschied” kürzlich schon geschrieben habe hängen in jedem Zimmer dieses Hauses unmengen an schönen Kindheitserinnerungen drin. Dass das dann einfach irgendwann nie mehr da sein soll, Ich kann das ehrlich gesagt immer noch nicht so recht begreifen. 

Wenn Ich das in Vergleich zu der Beerdigung stelle, hat das Bild doch schon arge Schlagseite…

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