Ein Tritt in die Eier

Ja, das war kein schöner Morgen heute. Mein Vorgesetzter hatte eine Telefonkonferenz angesetzt um über Veränderungen in unserer Abteilung zu sprechen bzw. in unserer, ja, weiss gerade nicht wie Ich es nennen soll, “Unternehmenssektion”?

Ich arbeite ja im Kundendienst eines bundesweit tätigen Unternehmens. Dort sind nun schon seit einigen Jahren Konsolidierungen im Gange. Im letzten Herbst hatte man uns eiskalt vor den Bug geknallt dass massiv Standorte eingespart werden sollen, mein Standort wurde nicht bei denen genannt die bleiben sollen. Dann hiess es dass nur das “mittlere Management” an diesen drei Standorten bleiben soll, die “einfachen Angestellten” aber in der Fläche. 

Nun ist es also raus: Die Firma will uns nicht mehr zurück ins Büro lassen sondern das Homeoffice ist nun unbefristet verlängert worden und ein zurück wird es wohl nicht mehr geben. 

Ausserdem werden die Kundendienstsektion in der Ich bis vor ein paar Jahren gearbeitet habe (Hotline) und meine jetzige Sektion (Backoffice) zusammengelegt. Das war mit der grösste Schlag ins Kontor, denn Ich habe mich ja damals bewusst dafür entschieden die Abteilung zu wechseln weil selbst mir Gemütsmensch die wütenden Kunden am Telefon irgendwann so zugesetzt haben dass Ich das einfach nicht mehr wollte. Sich den ganzen Tag anbrüllen zu lassen, seine Firma als Drecksladen oder Saftladen betiteln zu lassen und andere Ausfälle hinzunehmen, das muss man können. Ich konnte es eine zeitlang, irgendwann hatte Ich dazu einfach keinen Bock mehr. Ich wollte etwas ruhigeres machen. 

So bin Ich ins Backoffice gewechselt und arbeite nun das ab was die Hotline annimmt. Eine entspanntere Arbeit. 

Nun soll das also alles zusammengemixt werden und wir sollen beides machen. Von zu Hause aus. 

Na toll!

Das blöde war ja, dass Ich damit schon ins Wochenende geschickt wurde so ein wenig. Ich hatte am Freitag mit jemand vom Betriebsrat telefoniert, eigentlich wegen etwas ganz anderem beruflichen. Da fragte Ich nebenbei ob man was wisse wie das weitergeht mit dem EINEN Standort in Dingsbumshausen dessen Arbeit wir nun hier bei uns mit übernehmen sollen. Darauf hiess es nur nur dass man was weiss, aber noch “Sperrfrist” habe und nix sagen darf. Soweit OK. Kurze Zeit später bekam Ich einen Anruf von meinem Chef der mich vorab über die Zusammenlegung informierte, die beiden haben sich wohl zufällig im Büro getroffen und geredet. Das war vor dem Wochenende nicht gerade schön, aber OK. 

Doch die weiteren Sachen die heute in der Telko dann besprochen wurden haben mir irgendwie ein wenig den Boden unter den Füssen weggezogen. Nicht nur das was sondern auch das wie es mal wieder kommuniziert wurde. 

Eigentlich bin Ich ja immer einer der sagt es geht immer irgendwie weiter, abwarten und Tee trinken, schau mer mal, wird schon werden….

Doch das heute war dann selbst mir zu viel. Ich weiss auch nicht warum. Mir schoss das Wasser in die Augen und Ich dachte nur gut dass das nur ne Telko ist und Ich den Kollegen nicht Auge in Auge gegenüber sitze. 

Auch im Moment ringe Ich immer noch mit der Fassung und muss dauernd meine Tränen unterdrücken.

Aber warum? Warum eigentlich?

Ich meine, Ich hab weiterhin einen Job, mein Lohn wird nicht gekürzt, ……

Wo ist das Problem? Was stimmt mit mir nicht, dass mich das so mitnimmt? Das muss doch mein Fehler sein, oder? – denkt man dann da ganz schnell…..

So ganz kann Ich mir meinen kleinen Nervenzusammenbruch auch nicht wirklich erklären. 

Vielleicht lag es daran dass Ich zumindest gehofft hatte im kommenden Frühling wieder ins Büro zurück zu können, die Kollegen wieder zu sehen. Ich meine das fehlt mir ja schon. So der kleine Schwatz an der Kaffeemaschine oder der Plausch über den Monitor hinweg. Wir waren ja ein tolles Team, haben uns alle super verstanden und hatten immer Spass im Büro. Dass das nun nie wieder kommen soll finde Ich schon extrem schade.

Zumal ja meine Arbeitskollegen meine einzigsten physischen menschlichen Kontakte sind die Ich so habe. 

Ich habe hier in Dresden weder Freunde noch Familie. Das hat mir auch nie gefehlt. Die tägliche Dosis “Menschen” die Ich auf Arbeit abbekommen habe reichte mir. Doch seit das weg ist fehlt mir das schon immens. 

Irgendwie war das heute alles ein wenig viel zum Montagmorgen. Mal sehen wie das nun weitergeht……

Langfristig muss Ich mir dann da auch was überlegen mit meiner Wohnung. Wenn meine Mama mal wieder auf Urlaub kommen will, kann Ich nicht an dem Esstisch in Ihrem Zimmer arbeiten. Andererseits ist in den anderen Zimmer kein Platz für einen weiteren Tisch. Und einen privaten Schreibtisch hätte Ich schon gerne noch. 

Andere Kollegen arbeiten seit Monaten am Couchtisch oder auch an Ihrem Esstisch und können keinen Besuch mehr zum essen einladen. 

Ich weiss nicht wie das auf Dauer weiter gehen soll. 

Andererseits will Ich mir eh eine neue Wohnung suchen weil Ich mit dieser nicht mehr zufrieden bin. Doch dazu habe Ich nun nach diesem Telefonat heute Morgen noch viel weniger Kraft als vorher. 

Ich pack das psychisch einfach nicht. 

Am liebsten würd Ich mir jetzt einen ansaufen…..

3.8.2020, 12:30 Uhr

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