Zehn Jahre

Ja, zehn Jahre ist es nun her. Am 23.10.2009 starb mein Vater im Alter von 62 Jahren an einem Herzinfarkt.

Kinder wie die Zeit vergeht…

22 Jahre war Ich damals. Mich erreichte die Nachricht, das weiss Ich noch als wäre es gestern gewesen, auf der Arbeit. Ich war zu der Zeit bei einer Zeitarbeitsfirma angestellt und an eine Brauerei in der Nähe von Kaiserslautern ausgeliehen. Ich war dort als einfacher Produktionshelfer angestellt. Ich sortierte Leergut in Kästen und Flaschen am Fliessband in die richtigen Kästen, half beim einstellen der Maschinen in der Abfüllung, machte einfache Tätigkeiten wie den Hof fegen usw. 

Das war eigentlich nicht der schlechteste Job. 

Ich weiss auch noch genau wo auf dem Betriebsgelände Ich stand als der Anruf kam. Wir hatten in meinem Elternhaus im Erdgeschoss Räume an einen Friseursalon vermietet in denen die Eltern meines Vaters früher eine Gastwirtschaft betrieben haben. Die Friseuse rief mich an nachdem Sie meine Mutter ins Krankenhaus gefahren hatte. Ich hatte das Familienauto um damit auf Arbeit zu kommen. 

Ich weiss es nicht mehr genau, aber Ich glaube Ich bin direkt aufgebrochen ohne die Schicht noch zu beenden. Zuerst bin Ich dann nach Hause gefahren um mich umzuziehen. Im Blaumann bin Ich nicht im Krankenhaus aufgeschlagen. Ich konnte zu Hause noch mit besagter Friseuse reden und machte mich dann auf den Weg. Im Krankenhaus waren schon einige Leute. Ich meine als Ich ankam waren ausser Mama auch schon Papas ältere Schwester mit Mann da, Oma und Opa glaube Ich auch. 

Mama war total aufgelöst und nervlich am Ende. Sie hat furchtbar geweint. 

Ich musste dann auch weinen als Ich meinen Vater da so liegen sah. 

Er war wegen eines Herzinfarktes ein paar Wochen zuvor ins Krankenhaus gekommen. Ihm wurde dann ein Herzschrittmacher eingesetzt und es ging Ihm eigentlich wieder besser. 

In der Woche darauf oder so sollte er eigentlich in die Reha entlassen werden. Ich weiss noch wie er gescherzt hatte dass er dann wohl seinen Geburtstag ende November in der Rehaklinik feiern müsste. Wir sollen einen Bus mieten und alle kommen. 

Ein paar Tage später war er tot. Ohne Vorzeichen dass es Ihm schlechter ging. 

Es soll wohl eine Embolie gewesen sein. Sein Zimmernachbar berichtete dass er sich im Bett aufgesetzt habe, sei blau angelaufen und umgefallen. Er hat dann sofort den Notruf gedrückt, die Hilfe kam aber zu spät. 

Vier Wochen vor seinem 62. Geburtstag war das. 

Papa war gerade in der „Ansparphase“ einer Altersteilzeit und wollte wenig später in Rente gehen um mehr Zeit für die Familie zu haben. Er hatte oft über Stress und Ärger auf der Arbeit geklagt und Ich muss sagen dass gerade Ich Papa oft Kummer und Sorgen gemacht habe. Ich wohnte mit 22 Jahren noch zu Hause, hatte eine Lehre als Koch abgebrochen, habe dann in einem Restaurant gejobbt, dann kam der Zivildienst und wie oben geschrieben war Ich zu der Zeit gerade als Helfer in einer Zeitarbeitsfirma die mich mit 800 € Netto am Ende des Monats abgespeist hat. Ich hatte nicht gerade eine goldene Zukunft in Aussicht. Und wie man ja mittlerweile weiss dauerte es noch ein ziemliches Weilchen bis Ich mein Leben in mehr oder geregelte Bahnen lenken konnte.

Eine schlimme Zeit war das. Papa machte sich grosse Sorgen um mich und meine Zukunft. Immer. Schon in der Schule, die Ich nach der 10. Klasse mit einer Fünf in Mathe und Sport sowie einer Hand voll Vierern in den anderen Fächern verlassen habe. Wie sollte man so einen Job finden, eine Ausbildung?

Sogar Berufskraftfahrer wollte Ich damals werden und hab mich auf solche Ausbildungsstellen beworben. LKW-Fahrer auf der Langstrecke. Ach du meine Güte! Wie Ich auf diese Idee kam weiss Ich heute auch nicht mehr. Wahrscheinlich weil Ich gerne Auto fahre….

Bis Ich meinen Traumberuf Bürokaufmann (weil man da im Idealfall von Montag bis Freitag irgendwann zwischen 8 und 18 Uhr drinnen, im warmen seinen faulen Arsch vor dem Computer parken kann) dann erlernt und in dem Feld dann auch Arbeit gefunden habe sollte es dann ja noch eine Weile dauern.

Ende 2009 wurde Ich dann von der Zeitarbeitsfirma entlassen und hatte danach nicht wirklich Ambitionen mir was neues zu suchen. Ich bewarb mich dann auf Ausbildungsstellen für Bürokaufleute, was aber aussichtslos war, mit einem Zeugnis wie Ich es oben beschrieben habe. 

Ach ja, Ich erinnere mich gerne an die schönen Zeiten zurück die Ich mit Papa hatte. Die Familienurlaube im Schwarzwald z. B. 20 Jahre lang sind wir jeden Sommer drei Wochen und manchmal auch im Winter die eine oder andere Woche, in den selben Ort zur selben Gastfamilie gefahren. In Mitteltal bei Baiersbronn / Freudenstadt. Zwanzig Jahre sind wir immer an den selben Ort gefahren und haben dennoch jedes Jahr immer wieder etwas neues in der Umgebung entdeckt. Ausflüge ins Schwimmbad oder in das tolle Baden Baden! Kniebis, Mummelsee, Darmstädter Hütte, Wellenbad in Schömberg, Minigolf auf unserer „Stammanlage“ in Baiersbronn…..

Ach ja, das waren die schönsten Zeiten meiner Kindheit. 

Wie gerne erinnere Ich mich an die Samstagabende zurück die wir zu dritt im Wohnzimmer vor dem Samstagabendfilm verbracht haben, an die Abende unter der Woche an denen Freunde und Bekannte oder Verwandte zum Essen da waren. An die unzähligen Abende an denen Ich mit Papa alleine in unserer Küche oder im Urlaub auf dem Balkon unserer Ferienwohnung sass und wir uns über Gott und die Welt unterhielten bis uns die Augen zufielen. Ich liebte diese kleinen Momente. Stundenlang konnte man sich mit Papa unterhalten. Er hatte ein ungeheures Allgemeinwissen und bei Schwierigkeiten immer einen klugen Rat. 

Ich erinnere mich daran wie wir bis spät abends Mathe für die Schule gepaukt haben, obwohl er einen harten Arbeitstag hinter sich hatte und eigentlich auch gerne mal Feierabend gehabt hätte. 

Und Ich erinnere mich auch daran wie egoistisch Ich oder auch meine Mutter vielleicht das eine oder andere mal waren und wie wir vielleicht auch das eine oder andere Alarmsignal übersehen haben. Er muss mit dem Herzen schon länger Probleme gehabt haben, war aber auch eher der Typ der Sachen in sich hineinfrisst um uns damit nicht zu belasten. 

Als mein Vater verstorben ist mussten wir uns durch einen riesigen Wust an Zetteln, Papieren und Rechnungen wühlen um wichtige Unterlagen wie z. B. Für Versicherungen zu finden. Er hatte das alles immer alleine gemacht um uns zu entlasten. 

In den Unterlagen fanden wir dann auch Papiere von den Kinderpsychologen bei denen Ich einige Jahre zuvor war. Diese dienten als Anstoss zu meiner Therapie in Saarbrücken. Darüber kam Ich zu der Reha in Bad Dürkheim welche mir den richtigen „Drall“ gab um mich schlussendlich nach Dresden zu führen.

Ja, Papa verstarb leider viel zu früh. Wie sehr hatte er sich auf seinen Ruhestand gefreut und wie sehr hätte er diesen auch verdient.

Man hatte Reisen geplant, gemeinsame Zeit mit Mama. Ohne Stress und Hektik. 

Nunja…..

Manchmal frage Ich mich wie mein Leben verlaufen wäre würde Papa noch leben. Hätte Ich die Papiere nicht gefunden, hätte Ich keine Therapie gemacht, hätte Ich dort nicht eine Person kennengelernt die mich dazu überredet hat mich auf Facebook zu registrieren, hätte Ich dadurch nicht wieder Kontakt zu Peter bekommen der mir ein Anstoss für einen Umzug nach Dresden war. 

Tja. Hätte, hätte, Fahrradkette…

Niemand weiss wie es gekommen wäre. Vielleicht war es aber auch eine Prüfung durch die Ich gehen musste. Eine Prüfung für das weitere Leben die mich dazu gezwungen hat den Arsch hoch zu bekommen, die Umschulung zu machen und den Umzug zu stemmen. Vielleicht war das der Stein des Anstosses der mein Leben in die richtige Richtung geschubst hat. Wer weiss.

Doch, wenn Ich so darüber nachdenke, muss Ich sagen dass mein Leben zwar nicht perfekt ist, aber Ich glaube wenn Papa sehen könnte was Ich erreicht habe, ja, er wäre glaube Ich stolz auf mich. Stolz darauf dass Ich auf eigenen Beinen stehe, mein Leben im Griff habe und mich durch meiner eigenen Hände Arbeit ernähren kann. 

Papa, Ich vermisse dich…..

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Filed under Erinnerungen, Gedanken

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